In Äthiopien beträgt der Mindestlohn etwa 23 Euro im Monat.
Ein Schnäppchen für europäische Firmen, die unter anderem Kaffee in Äthiopien produzieren lassen. Die Nachfrage steigt, und damit auch der Preis. Aber nicht in den Produktionsländern, denn dort sind die Einnahmen aus dem Kaffeegeschäft zwischen 1994 und 2017 um 130 Mio. Euro, und damit um rund 10% gesunken.
Von sozialer Verantwortung und fairen Preisen für Hersteller ist keine Rede mehr. Widerstand kommt ausgerechnet vom Kaffeeriesen Starbucks. Dieser ist Lizenznehmer von Fairtrade in Österreich und behindert in den Vereinigten Staaten den markenrechtlichen Schutz von mindestens zwei äthiopischen Kaffeesorten.
„Im Durchschnitt muss ein äthiopischer Kaffeebauer mit zwei bis drei US-Dollar pro Tag auskommen“, so Tesfaye Abate von der äthiopischen Botschaft in Berlin.
Nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam erhalten die Bauern selbst für hochklassige Sorten, die beim Endverbraucher in den Industrieländern Preise von bis zu 26 Dollar pro Pfund erzielen, nur zwischen 60 Cent und 1,10 US-Dollar pro Pfund. Dies sei aber gerade genug, um die Produktionskosten zu decken.
Bei Röstern und Händlern ist der Umsatz im Zeitraum zwischen 1994 und 2017 um 215%, auf 4,9 Mrd.(!) Euro pro Jahr gestiegen.
Wenn der Preis für Fair Trade Kaffee sinkt, dann wird alles besser. Einzelne Politiker sind der Meinung, der Preis ist das Einzige, was bei der Kaufentscheidung zählt. Aus diesem Grund soll Fair Trade Kaffee billiger werden. Es ist zu befürchten, dass ein günstigerer Preis nicht zu Lasten der Importeure und der Röstereien geht, sondern von der Marge der Produzenten abgezogen wird.
1 kg Kaffee kostet, je nach Marke etwa 15 Euro, Fair Trade Kaffee auch gerne mal das Doppelte. 1 kg Kapselkaffee kostet je nach Marke zwischen 40 und 105 Euro, und das ist Weltweit der größte Wachstumsmarkt. Die Werbung sorgt dafür, dass wir ohne nachzudenken das siebenfache auf den Ladentisch legen, wenn da eine vom Fooddesigner erfundene Chrema den Kaffee ziert und so tut, als sei es richtiger Espresso.
Der Zusammenhang zwischen Preis und Kaufverhalten ist ein Märchen. Der Zusammenhang zwischen Werbung und Kaufverhalten trifft schon eher zu.
Durch den markenrechtlichen Schutz besonders hochwertiger Kaffeesorten will der äthiopische Staat dazu beitragen, die Lage seiner Kaffeebauern zu verbessern. 2005 beantragte Äthiopien weltweit Markenschutz für die Kaffeesorten „Sidamo“, „Yirgacheffe“ und „Harar“. Mehreinnahmen in Höhe von 88 Millionen Dollar seien dadurch möglich, errechneten Experten von Oxfam.
In Europa und Kanada sind die Namen inzwischen als Handelsmarken eingetragen - in Japan läuft das Patentverfahren noch. Doch gerade in den USA, dem Land mit dem höchsten Kaffeekonsum weltweit, stößt Äthiopien auf großen Widerstand: Der amerikanische Großhändler Starbucks erwirkte mit Hilfe des amerikanischen Kaffeeverbandes NCA einen Widerspruch beim Marken- und Patentamt. Zwei der neuen Kaffeemarken wurden daraufhin von der NCA abgelehnt. Daher gilt der Markenschutz für diese beiden Sorten in den USA dank Starbucks nicht.
Bis der Kaffee in der Tasse brüht, ist viel Aufwand und Energie nötig - und Wasser. Für ein Kilogramm gerösteten Kaffee braucht es laut dem Niederländischen Forscher Arjen Y. Hoekstra †2019 von der University of Twente 18.857 Liter Wasser, für eine Tasse mit sieben Gramm Röstkaffee werden 132 Liter fällig.
Quellen:
Bayrischer Rundfunk
Worker Rights Consortium
Afrikanet
So viel Wasser schlucken Kaffee, Jeans, Brötchen und Chips